Energiegenossenschaft Coburger Land eG

​„Einen Schritt weiter denken“- diesen Ansatz verfolgen Stadt und Landkreis Coburg, wenn es um die Energiewende geht. „Der Ausstieg aus der Atomenergie kann nur gelingen, wenn wir die Potentiale erneuerbarer Energien überall im Land gemeinsam nutzen. Für die regionale Entwicklung stellen erneuerbare Energien gegenüber der Atomkraft enormes Potential dar! Dafür muss man manchmal etwas weiter als die private Solaranlage auf dem Dach denken“, so das Ergebnis einer Bürgerwerkstatt Energie im Juli 2013 im Rahmen des MORO „Regionale Daseinsvorsorge“.

Die Vorteile liegen klar auf der Hand: dezentrale Organisation, saubere Stromerzeugung und regionale Wertschöpfung. „Unser ausgewiesenes Ziel ist, dass wir als Region von der Energiewende bestmöglich profitieren“, so Regionalmanager Stefan Hinterleitner. Darunter versteht er unter anderem eine verbesserte Auftragslage bei den regionalen Unternehmen und Handwerksbetrieben und dass der Ertrag aus den Anlagen bei den Bürgern in der Region bleibt. Deshalb wurde im Coburger Land eine Bürgerenergiegenossenschaft geplant, die eine individuelle Bürgerbeteiligung ermöglicht.

Auf allen Ebenen wurde die Gründung der Genossenschaft seit zwei Jahren sorgfältig vorbereitet: Welche rechtlichen Schritte sind notwendig? Welche Ziele und Projekte möchte die Genossenschaft umsetzen? Wo kommt das Eigenkapital als wirtschaftliche Grundlage her? Bürgerbeteiligung an allen Prozessen stellt dabei einen elementaren Baustein des Konzepts dar, damit die Energiewende auch auf Akzeptanz stößt. Dies betont auch Landrat Michael Busch, der auch persönlich voll und ganz hinter der Initiative steht. Die Stadt Coburg mit Oberbürgermeister Norbert Tessmer und der zuständigen Referentin für Bauen und Umwelt, 2. Bürgermeisterin Dr. Birgit Weber, steht ebenfalls voll hinter der Energiegenossenschaft und unterstützt diese Form der Bürgerbeteiligung an der Gestaltung der Energiewende in Coburg Stadt und Land.


Gründung

​Was lange währt, wird endlich gut!

Am 30.04.2015 war es soweit. Auf Einladung der Initiatoren Stefan Hinterleitner, Marco Höhn, Peter Langendorf, Werner Weber und Susanne Wolfrum-Horn hin, trafen sich die langjährigen Mitglieder der Vorbereitungsgruppe sowie seit langer Zeit bereits bekannte Interessenten der Region Coburg im Landratsamt zur internen Gründung der Genossenschaft. Gemeinsam wurde die Satzung der Energiegenossenschaft Coburger Land eG (i.G.) beschlossen und unterzeichnet sowie der zukünftige Aufsichtsrat und Vorstand der Genossenschaft gewählt.

Seit dem 23.09.2015 ist die Energiegenossenschaft nun offiziell in das Registergericht des Amtsgerichtes Coburg eingetragen.

Der Aufsichtsrat setzt sich aus folgenden Mitgliedern zusammen (Stand 01.08.2016):

  • Herr Wolfgang Weiß, Coburg (Aufsichtsratsvorsitzender)
  • Herr Stefan Hinterleitner, Coburg (Stellv. Aufsichtsratsvorsitzender)
  • Herr Ferenc Bátyi, Coburg
  • Herr Günter Engel, Sonnefeld
  • Herr Werner Weber, Untermerzbach (Schriftführer des Aufsichtsrates)

Als Mitglieder der zweiköpfigen Vorstandschaft wurden vom Aufsichtsrat bestellt (Stand 01.08.2016):

  • Herr Christian Gunsenheimer, Weitramsdorf (Vorstandsvorsitzender)

  • Herr Walter Flohrschütz

    (Stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes)

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Startprojekt

Startprojekt der Genossenschaft

84 KW für mehr Klimaschutz

Die Bürgerenergie-Genossenschaft Coburger Land hat ihr erstes Projekt umgesetzt. Auf dem Dach des Coburger Ernestinums wird jetzt Strom erzeugt.

Von Bettina Knauth

Coburg – Kurz vor den Sommerferien konnte sich das Coburger Gymnasium Ernestinum über eine besondere Bescherung freuen: Am Mittwoch letzter Woche übergab die Bürger-Energiegenossenschaft Coburger Land eine brandneue Photovoltaik-Anlage an Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD), Baubürgermeisterin Dr. Birgit Weber (CSU) sowie an Schulleiter Dr. Bernd Jakob. Die 84 KW-starke PV-Anlage, die auf dem Dach der Mensa und des angrenzenden Klassentrakts installiert wurde, stellt das erste Beteiligungsprojekt der noch jungen Genossenschaft dar. Umso mehr freuten sich die Vorstände Christian Gunsenheimer und Walter Flohrschütz sowie Wolfgang Weiß als Aufsichtsratsvorsitzender darüber, das ihr neuartiges Kooperationsmodell nach Anlaufschwierigkeiten nun endlich in Betrieb nehmen zu können.

„Der Wille, die Kapazität und das Gebäude waren da, aber die Gesetzgebung und die damit verbundene Vertragsgestaltung haben das Projekt über Monate unnötig verzögert“, beklagte Gunsenheimer. Der Vorstandsvorsitzende verglich die Diskrepanz zwischen dem Willen zum Klimaschutz und den gesetzlichen Rahmenbedingungen mit dem Vorhaben einer Urlaubsreise: „Es nutzt nichts, wenn ich mir ein Ziel setze ohne mich auf den Weg zu machen.“ Während Gunsenheimer die Umstände als „einem besseren Klimaschutz nicht dienlich“ bezeichnete, galt sein ausdrücklicher Dank der Stadt Coburg und den beteiligten Mitarbeitern. „Sie haben uns ein Startprojekt angeboten, das schnell und wirtschaftlich umzusetzen schien.“

Als der Coburger Stadtrat 2010 die Umsetzung des integrierten Klimaschutzkonzeptes beschloss, habe man sich „ambitionierte Ziele“ gesetzt, blickte Tessmer zurück. Obwohl der Energiebedarf seither gesenkt werden konnte, weise die CO2-Bilanz einen Anstieg auf, so dass der Anteil an klimaneutralen Energiequellen deutlich forciert werden müsse. „Doch in Zeiten der Haushaltskonsolidierung sind die Möglichkeiten der Stadt Coburg beschränkt“, machte das Stadtoberhaupt klar. Umso mehr begrüßte Tessmer aus Sicht des Sachaufwandsträgers die jetzt eingeweihte Bürgersolaranlage auf einer öffentlichen Dachfläche: „Auf diese Weise erreichen wir eine Reduktion ohne selbst aktiv zu werden.“

Als ehemaliger Ernestiner freute es Gunsenheimer ganz besonders gerade hier das erste Projekt der noch jungen Genossenschaft verwirklichen zu können. Weiß bezeichnete das Leasing-Modell als „pfiffige Idee“. „Man hätte tausend Hindernisse aufbauen können, um dieses Projekt zu verhindern“, lobte der Stadtrat der Grünen, der auch Mitglied im Bau- und Umweltsenat ist, die Flexibilität und den guten Willen aller Beteiligten. „Das ist auch ein Zeichen nach außen“, fuhr Weiß fort, in Zeiten, in denen Verkehr und Wirtschaft die CO2-Emissionen immer weiter nach oben trieben und die geplante Novellierung den Bestand der Kohlekraftwerke auf Jahre hinaus sichere. „Wir halten mit unseren 84 KW dagegen“. Da der Strom vor Ort erzeugt und verbraucht werde, gelte das Prinzip der kurzen Wege, das lange Leitungen unnötig mache. Auch Dr. Weber, in deren Zuständigkeit die Stabsstelle Umwelt- und Klimaschutz fällt, begrüßte das Projekt.

Für die Photovoltaik-Anlage erwarten die künftigen Betreiber „ein ausgeglichenes Betriebsergebnis“. Zwar lägen die Kosteneinsparungen über dem Mietpreis, doch seien noch Verwaltungskosten zu berücksichtigen, sagte Tessmer. Für Stefan Hinterleitner lohnen sich solche Anlagen nur, wenn der Strom selbst genutzt wird. Und der eigenverbrauchte Anteil wird im Falle des Ernestinums auf über 65 Prozent geschätzt. „Wie hoch er genau liegt, müssen wir in der Praxis jetzt herausfinden“, sagte Micha Schemmel (Elektro Blitz Coburg), der die Anlage in drei Wochen installiert hat.


PV-aNlage Ernestinum nah

​Foto: Bettina Knauth

„Umwelt- und Klimaschutz, Nachhaltigkeit- das sind auch Themen im Unterricht“, bestätigte Dr. Jakob. Da sei es schön, den Schülern zusätzlich zu einer ersten Demo-Anlage nun „live“ zeigen zu können, wie viel Kilowatt die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach aktuell und pro Tag produziere. Wie die Schüler auf dem TV-System in der Pausenhalle kann der Elektromeister die Leistung auf seinem Handy ablesen. „Gerade sind es noch 30 Kilowatt, aber wenn jetzt die Sonne herauskommt, schnellt der Wert in die Höhe“, prophezeite Schemmel. Im Schnitt bringe die Anlage in den Sommermonaten am Tag zwischen 250 bis 300 Kilowattstunden.

40 Genossen zählt die Bürgerenergie-Genossenschaft aktuell. „Manche haben nur einen Anteil gezeichnet, andere bis zu zehn“, berichtet die Klimaschutzmanagerin des Landkreises, Lisa Güntner. Nachdem für die Vertragsgestaltung nun eine „Blaupause“ vorliegt, sind Folgeprojekte ausdrücklich gewünscht. Ein mögliches neues Objekt haben die Verantwortlichen schon ins Auge gefasst: Auf dem Neubau der Realschule II sei ebenfalls eine Photovoltaikanlage geplant, das habe der Landkreis schon beschlossen, berichtete Hinterleitner. Neben der „Sonne auf Dächern und Freiflächen“ sei auch die Windkraft, etwa der Windpark in Sonnefeld, ein Thema für die Genossen. Hinterleitner: „Doch gerade bei solch großen Projekten muss man ganz genau hinschauen, ob sie sich auch tragen.“

Bildunterschrift:

Bei der Inbetriebnahme der neuen Photovoltaik-Anlage auf dem Dach von Mensa und Klassentrakt des Ernestinums hatten kurz vor den Ferien alle Beteiligten zur Freude. Auf Dach der Mensa stießen Vorstand Christian Gunsenheimer, Micha Schammel (Elektro Blitz Coburg), Schulleiter Dr. Bernd Jakob, 2. Vorstand Walter Flohrschütz, Lisa Güntner (Klimaschutzmanagerin, Landkreis Coburg) und Wolfgang Weiß (Aufsichtsratsvorsitzender, von links) auf den Erfolg des ersten Projektes der Bürgerenergie-Genossenschaft Coburger Land an. Eine Hebebühne ermöglichte Interessierten auch beim anschließenden Schulfest den Blick aus der Vogelperspektive.


Mitmachen

Lust mitzumachen?

​Haben Sie Interesse, sich an ökologisch sauberer Energie zu beteiligen, die vor Ihrer Haustür produziert wird? Wollen Sie Tag für Tag sehen, was und wo mit Ihrem Geld investiert wird? Und wollen Sie die Energiewende im Coburger Land mit gestalten?

Wir informieren Sie gerne unverbindlich und vertraulich über die weiteren Schritte der Genossenschaft sowie eine mögliche Beteiligung an der Energiegenossenschaft Coburger Land eG:

energie@region-coburg.de – Telefon (0 95 61) 514 – 144.

Ansprechpartner:

Stefan Hinterleitner, Geschäftsstelle der Energiegenossenschaft

Stefan.Hinterleitner@region-coburg.de

Lisa Güntner, Klimaschutzmanagerin des Landkreises Coburg

Lisa.guentner@landkreis-coburg.de


Informationsveranstaltung

Informationsveranstaltung

Um allen Interessierten die Energiegenossenschaft Coburger Land eG, sowie Möglichkeiten zur Selbstbeteiligung und die zunächst geplanten Projekte der Genossenschaft vorzustellen, fand am 25.06.2015 um 19:30 Uhr im Landratsamt Coburg eine erste Informationsveranstaltung statt. Hierzu erschienen ca. 35 interessierte Bürgerinnen und Bürger der Stadt und des Landkreises Coburg.

Als erstes Projekt der Energiegenossenschaft Coburger Land eG wird zunächst die PV-Anlage auf dem Ernestinum Coburg realisiert. Die Beteiligungsoptionen der Genossenschaft an weiteren aktuellen Energieprojekten in der Region, wie z.B. an einem Windpark, werden derzeit geprüft.

Über die genauen Termine weiterer Informationsveranstaltungen hierzu informieren wir Sie auf unserer Homepage sowie in den öffentlichen regionalen Medien.

Bis dahin verbleiben wir mit den besten Grüßen

Ihre Energiegenossenschaft Coburger Land eG

Bild Info LRA