Passivhausforum im Rahmen der Energiespartage 2015

​Im Rahmen der 9. Coburger Energiespartage am Campus Design der Hochschule Coburg am 16. und 17. Oktober 2015 unter dem Motto „Besser leben –Klima schützen“ fand neben zahlreichen Vorträgen und Beratungsangeboten rund um die Themen Energieeinsparung, Schimmel, Photovoltaik und Dämmung ein gut besuchtes Diskussionsforum zum Thema „Passivhausstandard“ statt.

Einen gelungenen Einstieg in die Thematik ermöglichte Architekt Dr. Schulze-Darup mit einem sehr kurzweiligen Vortrag zur allgemeinen Sanierungsnotwendigkeit von Altbauten, den technischen Möglichkeiten beim Neubauund dem hierbei anzustrebenden Passivhaus-Standard. Anhand von zahlreichen Renovierungs- und Neubau-Beispielen verdeutlichte er die Vorteile dieses Standards im Bereich der Energieeinsparung und des angenehmen Wohnkomforts sowie die Auswahlmöglichkeiten der verschiedenen Bautechniken und -materialien.

In der anschließenden Diskussionsrunde debattierte er mit seinen Gesprächspartnern Achim Fischer (Architekt), Ullrich Pfuhlmann (Wohnbau Stadt Coburg) und Christian Müller (Stadtrat Coburg) vor allem über die Probleme bei der Vereinbarkeit von günstigem Wohnraum und der Umlegung von Sanierungskosten im Wohnbaubereich, die Sinnhaftigkeit von bestehenden Beschlüssen des Coburger Stadtrats zur Umsetzung des Passivhausstandards in eigenständigen städtischen Neubauten, sowie die möglichen Nutzerfehler in Gebäuden mit Lüftungsanlagen. Im Ergebnis waren zwar ein paar kontrovers diskutierte Punkte festzustellen. Insgesamt herrschte jedoch eine recht einheitliche Meinung bezüglich einer strikten Pflicht zur Umsetzung des Passivhausstandards, z.B. in öffentlichen Gebäuden. Aufgrund der verschiedenen Gebäudebeschaffenheiten, -funktionen und finanziellen Gegebenheiten wurde eine dogmatische Umsetzungspflicht des Passivhausstandards jedoch abgelehnt. Im Gegenzug sollten dem zuständigen Architekt möglichst viele planerische Freiheiten gelassen werden, so dass dieser flexibel nach dem geeignetsten Zusammenspiel an Komponenten suchen kann und dabei durch die eigene Freude am Planen das energetische Optimum anstrebt. Nichtsdestotrotz sollten die Ziele der Energieeinsparung stets ambitioniert gesteckt sein, da nur so ein energetisch hoher Standard umgesetzt werden kann und Folgekosten, durch erneut notwendige Sanierungen nach kurzer Zeit, verhindert werden können, so das Credo der Diskussion.

Ein wichtiger Hinweis von Herrn Dr. Schulze-Darup hierzu lautete: „Gebäude sollten erst dann saniert werden, wenn es tatsächlich notwendig ist. Wenn es soweit ist, dann jedoch möglichst so, dass Sie für weitere 40-50 Jahre ohne weiteren Sanierungsbedarf bestehen können. Die notwendige Technik und ausreichend stabile Materialien hierfür gibt es bereits.“ Mit den entsprechenden Fördermöglichkeiten der KfW liegen laut Dr. Schulze-Darup bei guter Planung auch aufwändige energetische Sanierungen meist recht schnell im Bereich des Wirtschaftlichen, wodurch der Passivhausstandard nicht nur aus ideellen Gründen sondern auch zur langfristigen Einsparung von Energiekosten anzustreben ist.

Auch im Bereich der energetischen Abschreibung der bei der Herstellung entstandenen „Umweltkosten“ bzw. der entstandenen CO2-Emissionen ist durch das hohe Wärmeeinsparungspotential, bei einem gut geplanten Passivhaus, bereits nach ca. 24 Monaten eine positive Bilanz zu erreichen. Hierbei geht jedoch ein dringender Appell an die Industrie, die benötigten Materialien von vornherein nach bestimmten Nachhaltigkeitskriterien zu produzieren.

Unter der Moderation von Constantin Hirsch (Radio EINS) gelang es in der Diskussionsrunde nicht nur die positiven, sondern auch die kritischen Aspekte des Passivhausstandards zu beleuchten. Die Teilnehmer aus Kommunalpolitik, Wirtschaft und Wohnungsbau näherten sich hierbei in vielen Punkten einander an und sprachen von geschickter Kompromissfindung im Sinne des Klimaschutzes und einer vorausschauenden Sanierung des hohen Altbaubestandes in Coburg, unter bestmöglicher Berücksichtigung des Passivhaus-Standards. Das Organisationsteam des Passivhaus-Forums, bestehend aus dem Regionalmanagement Coburg, der Stabstelle Umwelt/Klimaschutz der Stadt Coburg, der Klimaschutzmanagerin des Landkreises Coburg sowie den beiden Klimaschutzbeauftragten, freute sich über den regen Austausch in der Diskussionsrunde und die aufgeschlossene Sichtweise der einzelnen Akteure zum Thema Passivhaus.

Die Durchführung des Passivhaus-Forums wurde ermöglicht durch die Unterstützung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit aufgrund eines Beschlusses des deutschen Bundestages.

Ein herzlicher Dank für die gute Zusammenarbeit und die Möglichkeit zur Anknüpfung des Passivhaus-Forums an die Energiespartage 2015 geht an die Unternehmen der regionalen Wirtschaft die auch in diesem Jahr die Energiespartage organisiert haben.

> Weitere Informationen

Flyer der Energiespartage 2015


Vortrag von Herrn Dr. Schulze-Darup zum Thema "Passivhaus"

Fotos: Heiko Büschel